Sonntag, 5. Oktober 2014

Fotokurs: Über Blende, ISO und Verschlusszeit

Foto-Anfänger fühlen sich von den Begriffen Blende, ISO und Belichtungszeit schnell überfordert. Kein Wunder, die Kompaktkameras nehmen einem das Thema ab. Aber spätestens, wenn man sich ernsthaft mit der Fotografie auseinandersetzen will, kommt man daran nicht vorbei.


Die Beispielfotos habe ich  in einem kleinen Lichtzelt aufgenommen. Da mir im Moment die Zeit für eine schöne Kulisse fehlt, musste ein vertrockneter Strauss Blumen (der seinem letzten Zweck vor der Entsorgung dienen durfte) , mit verschiedenen Einstellungen vom Stativ fotografiert, herhalten. Auch beim Hintergrund stand Zweck vor Schönheit; das geht natürlich auch anders.


Blende:

Mit der Blende steuert man zunächst, wieviel Licht auf den Sensor fällt. Je kleiner die Blendenzahl (also der angezeigte bzw. eingestellte Wert), desto größer die Blende, desto mehr Licht kommt ins Bild.Eigentlich eine gute Sache; Licht ist in der Fotografie immer eine gute Sache, sollte man meinen. Warum also die Mühe, verschiedene Blenden einzustellen?

Der Grund dafür ist die Schärfentiefe. Diese bewirkt, dass bei kleiner Blendenzahl nur ein relativ kleiner Bereich wirklich scharf ist; alles außerhalb dieses Bereiches wird unscharf. Das kann gut sein, aber auch schlecht. Oft möchte man den Blick nur einen Teil des Motivs richten: In London beispielsweise das Kind mit der Taube vor Admiral Nelson, beim Makro soll vielleicht die Biene herausgehoben werden vor der Blüte. Wenn man allerdings übertreibt, kann es sein, dass auch ein Teil des eigentlichen Motivs unscharf wird. So hatte ich einmal eine Aufnahme, bei der die Nasenspitze scharf waren, die Ohren jedoch nicht mehr. Dumm gelaufen, da mein Kind nicht königlichen Blutes ist...

Nutzt man eine solch große Blende bei einer Landschaftsaufnahme, ist der Misserfolg fast vorprogrammiert. Aber auch hier ist eine gewisse Unschärfe manchmal erwünscht: Zum Beispiel machen sich ein paar Blüten oder Blätter im Vordergrund gut, um den Eindruck der Tiefe zu verstärken. Diese dürfen ruhig unscharf sein.

Genug der Theorie, schauen wir es uns in der Praxis an:
(Alle Bilder wurden aufgenommen mit einer Canon EOS 6D mit Tamron-Objektiv 24-70mm F/2,8)


Blende: 2,8
Verschlusszeit: 1/15 sec
ISO: 200

Der Fokus liegt vorne auf dem Strauß. Bereits der mittlere Teil des Straußes wird unscharf.  Wäre der Abstand der Vase zum Hintergrund größer, würden auch die Kanten verschwinden.





Hier eine Ausschnittsvergrößerung. Die Bildqualität ist gut, kein Rauschen festzustellen.











Blende: 4,0
Verschlusszeit: 1/8 sec
ISO: 200

Wie man hier sieht, ist die Belichtung gleich geblieben. Allerdings musste ich für die kleinere Blende auch die Belichtungszeit entsprechend verlängern. Eine leichte Veränderung der Schärfe ist bereits zu beobachten.





Blende: 11,0
Verschlusszeit: 1 sec
ISO: 200

Mittlerweile ist dank der kleinen Blende fast der ganze Strauß scharf. Dafür musste ich allerdings eine Belichtungszeit von einer Sekunde einstellen; ein Wert, den man aus der freien Hand schießend zu vermeiden sucht.




Verschlusszeit:

Ich kam oben nicht umhin, bereits ein wenig von diesem Thema vorwegzunehmen. Die Verschluss- oder Belichtungszeit gibt an, wie lange die Linse geöffnet bleibt, wie lange also der Sensor belichtet wird.  Je höher der Wert (Achtung: meistens handelt es sich um Bruchzahlen, also ist 1/8 höher als 1/125!), desto länger dauert der Lichteinfall. Desto schwerer ist es aber auch, die Kamera stabil zu halten. 

Das Verhältnis zwischen Blende und Verschlusszeit ist einfach beschrieben: Verkleinert man die Blende um eine Stufe (Achtung: Verkleinern heißt größere Blendenzahl!), muss man die Verschlusszeit halbieren, um die gleiche Belichtung zu erhalten. Im obigen Beispiel ist (auf die Belichtung bezogen) Blende 4,0 mit 1/8 sec äquivalent zu Blende 2,8 mit 1/15 sec.

Der aufmerksame Leser mag nun anmerken, dass der Unterschied zwischen 2,8 und 4,0 doch mehr als eine Blende sein müsse, schließlich findet man dazwischen z.B. auch noch die Blende 3,5. Das ist nicht ganz richtig, da es sich hierbei nicht um volle Blendenstufen handelt. Eine Tabelle der Blenden findet man in der Wikipedia, ebenso wie die Verschlusszeiten.


ISO:

Mit ISO hat man zu analogen Zeiten die Filmempfindlichkeit beschrieben, heute wird damit die Empfindlichkeit des Sensors beschrieben. Je höher der ISO-Wert, umso lichtempfindlicher ist die Kamera, umso weniger Licht braucht man also. Auch hier die Frage: wenn meine Kamera bereits ISO 25.600 kann (und sogar noch mehr), warum sollte ich dann weniger wählen?

Alles im Leben hat seinen Preis. So auch die höhere Lichtempfindlichkeit des Sensors. Das Problem ist das sogenannte Rauschen. Dies dem modernen Menschen mit einfachen Worten zu erklären ist gar nicht so einfach; früher hätte es man einfach mit dem Rauschen des Fernsehbildes oder der grobkörnigen Darstellung von Zeitungsbildern verglichen. Dieses Rauschen ist immer vorhanden, wegen der Pixeldichte auf kleineren Sensoren stärker ausgeprägt als auf größeren. Je höher aber die ISO-Rate, desto mehr muss das vorhandene Signal verstärkt werden, damit auch das Rauschen. Da aber das Rauschen eh da ist, das Licht aber weniger geworden ist (sonst hätte man nicht am ISO-Rad gedreht), nimmt das Rauschen mit steigender ISO-Zahl zu.

Ich wollte auch dies fotografisch belegen, was aber mit einer Vollformatkamera wegen des großen Sensors gar nicht so einfach ist.  Ich glaube aber, dass man es trotzdem erkennen kann:


Blende:2,8
Verschlusszeit: 1/2000 sec
ISO: 25.600

In diesem Bildausschnitt wäre das Foto wohl noch schön anzuschauen, wenn ich mehr Mühe auf das Setting verwendet hätte.



Bei dieser Ausschnittsvergrößerung sieht man jedoch deutlich den Qualitätsverlust, zum Vergleich unten das mit ISO 200 aufgenommene Foto.










Blende: 2,8
Verschlusszeit: 1/15 sec
ISO: 200










Bei der Qualitätsbetrachtung muss man noch berücksichtigen, dass es sich um Stativaufnahmen handelt. Wenn man freihand fotografiert, kommt immer noch ein leichtes Wackeln dazu. Meistens ist dies so gering, dass man es gar nicht bemerkt. In Verbindung mit einer hohen ISO-Rate verstärkt dies jedoch den gezeigten Effekt erheblich.

Wie verhält sich ISO zu den anderen Werten? - Wählt man eine Blende kleiner, muss man für die gleiche Belichtung den ISO-Wert verdoppeln. Oder aber: Wenn man die Verschlusszeit halbiert, muss man dafür ebenfalls den ISO-Wert verdoppeln.

Auch bezüglich der ISO-Reihen bietet die Wikipedia Unterstützung.

Fazit:

Alle drei Einstellungen haben ihre Berechtigungen. Man kann auch keine pauschale Empfehlung abgeben, welche denn nun richtig ist. Experimentieren Sie einfach ein wenig damit herum.

Denken Sie aber daran: Ein verrauschtes Foto, wenn es sich um einen unwiederbringlichen Moment handelt, ist allemale besser als ein verwackeltes!

Und nun wünsche ich viel Spaß beim Experimentieren und bei der Umsetzung.

- Howie


PS: Für (gern auch kritische) Anmerkungen und Fragen bin ich natürlich offen. Ich freue mich auch über Wünsche für die nächsten Beiträge im Fotokus.


1 Kommentar:

  1. Sehr interessant, da kann ich mich schon mal etwas einlesen und stehe bald nicht ganz unwissend da.
    Werde nämlich in knapp anderthalb Wochen einen Fotokurs beginnen und freue mich schon riesig! :)

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