Freitag, 3. Oktober 2014

Liebe aus dem Dschungel




Rattenscharf

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Warnhinweise:
  • Diese Rezensionen kann Spuren von Ironie enthalten. Bei bekannter Überempfindlichkeit oder beim Auftreten von Nebenwirkungen ist der weitere Konsum nicht empfohlen!
  • Diese Rezension bedient sich sprachlicher Eigenheiten der Kaplatristik. Ungeübte Leser führen dies mitunter auf sprachliche Defizite des Rezensenten zurück; dies ist aber nicht der Fall!


Charly, keck frisiert mit quirligen Locken, ist Journalistin bei einem florierenden Chicagoer Verlag – sechs festangestellte Mitarbeiter, da geht es im Großraumbüro, wo jeder eine Platz zugewiesen bekam, schon mal zu wie in einem Bienenschwarm. Während die Männer dem Dolce Vita frönen und durch die Lande tingeln und ein Skandal nach dem anderen hinterherjagen und dabei die größten Abenteuer erleben, muss Frau das Haus hüten.

Zu allem Überdruss nervt auch noch ihr Kollege Till mit der Haarfrisur und der typischen Nickelbrille. Der kann zwar nicht mit ihr, aber (ungern) mit Sabine mit teigigen Gesicht, bei der kein einziger Mann auch nur eines Blickes würdigt. Doch zurück zu Till: Er ist eine echte Jägernatur, er hetzt jede noch so kleine Schlagzeile – das Geheimnis seines Erfolges.

Sabine und Charly sind übrigens die beiden einzigen weiblichen Mitarbeiterinnen, wie das bei den anderen Mitarbeiterinnen so aussieht, erfährt der Leser leider nicht. Aber lustig geht es zu, wird doch gerne die Arbeit auf den beiden abgewälzt.

Als Charly den Posten des Personalabteilungsleiters angeboten bekommt, freut sie sich natürlich auf den begehrten Posten als Chefredakteurin; eine Position, die sie sich gewachsen fühlt. Sie stellt sich all die Möglichkeiten vor, die sich vor ihren Augen hervorheben würden. Aber das Angebot erweist sich nur als neuerliche Intrige, denn der Chef hat ein sehr wichtiger Deal an der Hand, bei dem es um ein 3 stellige Summe geht. Bei solchen Beträgen muss man dann schon mal Prioritäten setzen. So wird Till Chefredakteur, was aber den meisten (wer immer das auch sein mag) nicht interessiert. Aber die kecke Charly mit der quirligen Locke, über die er jetzt stand, die musste ihn jetzt gehorchen. Und das gedachte er mit ganzen Herzen (wessen?) auszukosten.

Als sie zurückkehrt und Schweigen sich in dem Raum senkt und sich die anderen nervös ihrer Arbeit zuwidmen, wird es zuviel. Einer muss dran glauben, als geht sie raus, um den frischen Luft zu schnappen. Ob sie ihn erwischt hat, erfährt der Leser leider nicht. Aber die anderen, die Männer, die steckten alle unter eine Decke – was sie steckten, bleibt auch der Phantasie des Lesers überlassen.

Lange Worte, kurzer Sinn: Charly ist sauer, mag nicht arbeiten.

Doch da kömmt eine Spam-Mail, die in Charlys Augen prangend dem Spam-Ordner entgeht. Der Preis war preiswert. Aber da war etwas, das die Star-Journalistin aufhorchen ließ – gab es dort nicht gerade Unruhen? Aber dann würde doch ein seriöses Internet-Spam-Reisebüro gar nicht erst solche Angebote versenden, oder?

Charly nimmt kurzentschlossen Urlaub. Till droht, dass sie in keiner anderen Verlag (heißt das nicht Verlägin?) mehr Fuß fassen könne, würde sie ihren Job schmeißen. Sie stimmte sich traurig.

Doch sie fliegt, landet auf der Landeplan (sind das die Tafeln, die immer im Flughafen hängen und dem Fluggast die Flüge zeigen, die er verpasst hat?) und genießt Sri Lanka. Der Monsun ist in den Ausläufen (soviel Wasser kommt da runter), und es ist heiß.

Im Hotel legt sie sich aufs riesige Bett und wird bedient wie eine Königin – an der Stelle kam ich etwas ins Grübeln…

Zurück in der freien Natur näherte sich bald mit raschen Schritten ein Gewitter, packte die arme Charly beim Schopfe und verfrachtete sie für mehrere Tage ins Hotel. Doch irgendwann ward es ihr überdrüssig, und sie unternimmt eine Exkursion, bei der sie die Hotel-Lobby findet, in der sie wiederum Prospekte einer Exkursion findet.

So geht es in den Dschungel, mit einer kleinen Gruppe, die bis auf Kerala, die höllisch scharfe Führerin, nur aus Touristen bestand. Und aus einem Engländer-Ehepaar, die ich eigentlich eher in die Heimwerker-Ecke verortet hätte.

Wortreich geht es erst einmal wortlos weiter um die sauscharfe Führerin. Charly war nicht nur konfus, sondern auch noch total verwirrt. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich solche Augen gesehen.

Nach der Vorstellungsrunde verschwanden alle in ihren (ihrem?) Hotelzimmer. Außer Charly, sie tigerte in ihrem Zimmer umher und träumte von dieser Blick.

Nachdem alle durch die Zimmer getigert sind, tigern sie dann endlich los. Die mega-scharfe Kerala mit den kohlschwarzen Augen zielgerade voran. Doch plötzlich Warnschreie von Affen – Gefahr in Anzug. Anzug? Tragen Rebellen Anzüge? Zumindest tragen sie Waffen, und alle werden gefangen. Und der Anführer freut sich schon auf die kecke Amerikanerin und die rattenscharfe Führerin.

Die Ereignisse in der Hand von der (oder die, weil möglicherweise weiblich?) Rebellen möchte ich nicht verraten, um die Spannung nicht zu nehmen. Doch welche Rolle spielt der Spionier? Und wie und wo hat der Rebellenführer die Fassung verloren, bevor er sich im Schritt wieder fasst? Ist die Banane tatsächlich noch gültiges Zahlungsmittel in Sri Lankas Dschungel?

Nebenher erfährt der interessierte Leser, dass die Kleidung durch die hohe Luftfeuchtigkeit so schnell trocknet. Oder dass Gibbons ihre Arme in schwindelerregende Höhen hinaufangeln können.

Wird ihnen (den Touristen, nicht den Gibbons!) die Flucht gelingen? Und wie kriegt Charly diese Hochofenbraut aus ihrem Sari gepellt? Geht das überhaupt, ohne den Urwald in Brand zu setzen? Fragen über Fragen – die Antworten finden sich natürlich im Buch.

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