Sonntag, 14. Dezember 2014

Das 8. und 9. Weltwunder





Angeregt von den in diversen Amazon-Foren tobenden Diskussionen habe ich mir das Buch vorgenommen. Zwar habe ich meine Erich-von-Däniken-Zeiten schon lange hinter mir gelassen, aber angesichts dieser hitzigen Debatten wollte ich doch wissen, worum es überhaupt geht.


Nach 35% habe ich das Buch erst einmal beiseite legen müssen. Ich habe bis dahin erfahren, dass es einen bösen Rezensenten gibt (etwa 20% meiner bisherigen Leseleistung). Und die protagonistische Familie ist ein Fan von Ikea im allgemeinen, dem Glastisch Björn im speziellen.

Ansonsten versucht der Autor, das Thema "humorig" anzugehen. Was dazu führt, dass er sich immer und überall verzettelt. So darf der Leser erleben, wie das Wasser durch eine Pyramide geschossen wird. Das Ergebnis erfährt er zwar nicht, aber mitstaunen darf er. Die Frage bleibt offen, ob der Schuss durch einen Pyramidentrichter sich von einem Schuss durch einen Kegeltrichter unterscheidet. Wobei übrigens Pyramide und Kegel zwei verschiedene geometrische Formen sind...

Dafür erfahren wir von einem umtriebigen Bauunternehmer (Sam Osmaganich, den man bei Wikipedia unter dem Stichwort Bosnische Pyramiden findet) sowie einem "weltbekanntesten und besten Forscher" (Klaus Dona, den Wikipedia als Kulturmanager, Publizist und Ausstellungs-Organisator nennt). Wir erfahren, dass die Erde ohne Pyramiden explodieren und das Universum kaputtmachen würde (Frage: Wie funktioniert das mit Planeten ohne steinzeitliche Hochkulturen?).

Solch tollkühne Behauptungen haben mich nicht weiter beeindrucken können. Was mich aber erheblich störte, war die Schreibweise: Was "humorig" gemeint ist, führt letztlich dazu, dass mehrere Seiten sich um einen unerheblichen Aspekt (wie z.B. den Björn-Tisch) drehen, während die Aussage sich in den Wendungen der Erzählung verliert. Am Ende weiß man zwar, was der Autor sagen wollte - aber nicht, was die Aussage denn tatsächlich war.

Im zweiten Anlauf habe ich dann unter Bemühung flüssiger Hilfsmittel auch den Rest geschafft. Besser wurde es leider nicht. Dafür aber immer kühnere Thesen:
  • So braucht man für die Zahl Pi offenbar das metrische System - das möge mir mal jemand erklären.
  • Und man findet alle möglichen Bauten in einem 30-Grad-Winkel zum Äquator - fantastisch, wäre ich nie drauf gekommen... Kleiner Tipp: Die Erde ist zwar keine exakte Kugel, aber immer noch so rund, dass wohl alles in einem 30-Grad-Winkel zum Äquator gefunden werden kann. Oder sollten damit etwa die Breitengrade gemeint sein?
  • Mit zunehmender Thesendichte nimmt die sprachliche Qualität weiter ab. Von der Beweislage ganz zu schweigen. Levitierende Mönche (habe das Video gesehen, Beweise sehen anders aus), Kornkreise (die bekanntlich gern von besoffenen Wannabees oder ebensolchen Studenten gezeichnet werden), Riesen usw.

Irgendwann hat man den Eindruck, der Autor versuche einen Hubschrauberrundflug durch sämtliche Werke Erich von Dänikens und dessen Seelenverwandten. Pyramiden, UFOs, Aliens, PSI - alles dabei. Die Wissenschaft vertuscht, wo es die Regierungen nicht utn. Wobei wissenschaftliche Beweise (ohne Beweise - pardon, Belege) trotzdem gerne verwendet werden.

Nun mag ein jeder an die wundersame Kraft von Pyramiden glauben oder nicht. Hier legt der Autor aber Wert darauf, dass der Leser ein Sachbuch in der Hand hat. Das konnte ich nicht erkennen:
  • Das Buch ist durchgängig im Plauderstil geschrieben und beschreibt die Erlebnisse "unserer Familie".
  • Das allerdings mit launigen Bemerkungen, die beim ersten Mal vielleicht lustig sind, beim zweiten Mal schon nicht mehr - und nach dem 97. Mal nervt es nur noch. Auch als Running Gag sind sie wenig geeignet, einfach wegen der schieren Menge.
  • Alles, wo es tatsächlich mal um Fakten geht, verliert sich der Autor im Vagen. Das höchste der Gefühle ist, dass ein "Fakt" wissenschaftlich erwiesen ist oder durch hochrangige Forscher bestätigt wurde. Quellenangaben fehlen.
  • Auch die sogenannten Fakten selber sind nur vage beschrieben. Bei den Ausführungen zur Lebensblume in Bosnien wäre vielleicht mal eine Illustration hilfreich gewesen.
  • Grobe Fehler stören zusätzlich, wie beispielsweise die falsche Benutzung des Begriffs Orbit.

In meiner Jugend habe ich einige Werke dieser Couleur konsumiert - und zwar mit Interesse. Die Autoren konnten schreiben, die Bücher waren gut illustriert - und die innere Logik stimmte, auch wenn die Thesen angreifbar waren. Hier passt leider nichts...

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