Mittwoch, 1. Juli 2015

Die Falle




Raffiniert

Rezension zu Die Falle
*****

Linda Conrads ist ihren Fans und der Presse ein Rätsel. Sie veröffentlicht Jahr für Jahr Bücher, die zu Bestsellern werden, lebt aber völlig zurückgezogen. Seit gut elf Jahren hat sie keinen Fuß mehr über die Schwelle ihres Hauses gesetzt. Die Medien spekulieren über eine mysteriöse Krankheit, doch den wahren Grund kennt niemand außer Linda selbst: Sie wird von einer schrecklichen Erinnerung gequält, denn vor vielen Jahren hat sie ihre jüngere Schwester Anna ermordet aufgefunden – und den Mörder flüchten sehen. Der Täter wurde nie gefasst, und das Gesicht des Mörders verfolgt Linda seither bis in ihre Träume. Doch eines Tages flimmert genau dieses Gesicht über ihren Fernseher. Es gehört Victor Lenzen, dem neuen Reporter einer Nachrichtensendung …


Ein psychologisches Verwirrspiel beginnt, bei dem nicht nur der Leser ständig im Zweifel ist, wer Täter und wer Opfer ist - schon eine Leistung bei einem Buch, in dem es eigentlich nur zwei Hauptpersonen gibt, was den Kreis der potentiellen Täter natürlich deutlich eingrenzt. Und auch am Geisteszustand der Protagonistin sind ernsthafte Zweifel erlaubt.

Die Geschichte wird im Wesentlichen von und durch Linda (gesprochen von Birgit Minichmayr) erzählt. Die Perspektive birgt Gefahren und Potential. Im vorliegenden Thriller wird diese egozentrische Sicht hervorragend eingesetzt; nicht nur werden so die Zweifel und Selbstzweifel transportiert, auch der labile psychische Zustand der Protagonistin wird so gut vermittelt. Einzelheiten zum Tathergang und Umfeld erfährt man durch das Buch der Linda Conrads (gelesen von Devid Striesow) - natürlich auch wieder subtil verbunden mit der immer wieder aufkommenden Frage, wieweit man ihr überhaupt glauben und trauen darf.

Der Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig - vermutlich hätte ich das gedruckte Buch schnell lustlos beiseite gelegt. In der Hörbuch-Version jedoch wird der labile Zustand der Autorin, jede Änderung der Stimmungslage glaubhaft umgesetzt, die beiden Erzähler steigern sich an entsprechenden Stellen regelrecht in die Situation hinein.

Nicht immer geht es logisch zu (was ergaben beispielsweise die Aufzeichnungen des Interviews?) - aber als übermäßig störend erweist sich dieser leichte Mangel nicht.

Fazit: Ein psychologisch stimmiger Thriller, ein überzeugendes Debüt.


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Rezensionsexemplar

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