Samstag, 26. September 2015

Der Totenzeichner




CSI meets Chris Carter meets Encyclopaedia Britannica meets ...

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Ein Leichenfund gibt der Berliner Polizei Rätsel auf. Dem Mordopfer wurden mysteriöse Zeichen in die Haut geritzt, die Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie am LKA Berlin, bekannt vorkommen. Handelt es sich um kultische Symbole? Als die Obduktion der Leiche weitere grausame Details ans Licht bringt, wird klar, dass es einen ähnlichen Modus Operandi schon einmal gab: Vor zehn Jahren versetzte ein Serienkiller den Westen der USA in Angst und Schrecken. Einen Sommer lang trieb er dort sein Unwesen, bevor er sich mit der blutigen Botschaft verabschiedete: »It‘s not over, 'til it's over«. Ist der Totenzeichner zurückgekehrt?


Soweit der Klappentext. Entspechend furios legt der Thriller auch los, nichts für Zartbesaitete. Wie es jedoch meistens so ist, mischt sich irgendwann einmal die Polizei in die Ermittlungen ein. Und da klappte mir das eine oder andere Mal doch die Kinnlade herunter: Da wird anlässlich eines jeden Details ein Exkurs genommen, der die Schöpfer von CSI & Co. noch vor Neid erblassen ließe. Da werden akribisch und weitschweifig Dinge erklärt, mit denen die Beamten sich Jahr und Tag beruflich auseinanderzusetzen haben, und diese wiederum saugen dieses redundante Wissen auf wie ein trockener Schwamm. Ständig hatte ich die hochglanzlackierten CSI-Damen vor meinem geistigen Auge. Zumindest weiß ich jetzt, dass der Tiger auch nicht so viel besser kauen kann als der Mensch…

Doch als sich das Ende und damit die Auflösung des Falles nähert, läuft das Ermittlerteam zur Höchstform auf: Da wird aus einer Idee ohne belastende Umwege über Arbeitsannahmen und Hypothesen gleich eine handfeste Theorie geschmiedet. Die wird natürlich gleich belastet und führt – tja, leider nur zu einem ziemlich enttäuschenden Ende.

Eigentlich hatte der Thriller beste Voraussetzungen. Spannung, Action, Tempo stimmten. Nach den ersten paar Seiten trug mich noch die Hoffnung, mit dem Autoren Veit Etzold das deutsche Pendant zu Chris Carter gefunden zu haben. Doch das verliert sich bald im oben beschriebenen Geplänkel, so dass sich der Leser immer öfter über zunehmende Längen retten muss.

Erschwerend kommt dazu, dass alles erklärt wird. Eigentlich gut, aber handwerklich schlecht gemacht. In der Form fühlt man sich als Leser nicht so recht für voll genommen.

Alles in allem nur knappe drei Sterne, auch wenn ich länger auch gute zwei Sterne in Erwägung gezogen habe.

PS: Es gibt ja in dem Buch einige etwas – hmm, kuriose – Stellen, z.B. der Jetlag des London-Reisenden. Aber wie bitte greift eine Behörde "höchstselbst" ein? Das möge mir doch mal einer erklären…



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1 Kommentar:

  1. Hey Howie, oh schade, das Buch hatte sich echt gut angehört. So werde ich es wohl nicht so bald lesen, denn es gibt einfach zuviele tolle Thriller. Liebe Grüße, Petra www.papierundtintenwelten.blogspot.de

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