Sonntag, 25. Oktober 2015

Vilja und die Räuber




Ja im Bus, da sind die Räu-häu-ber...

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Der zehnjährigen Vilja stehen langweilige Sommerferien bevor, ihre Eltern beachten sie nicht ausreichend und ihre ältere Schwester macht ihr das Leben schwer. Doch dann wird die Familie auf der Fahrt in den Urlaub überfallen - von einer Räuberbande, die in ihrem Räuberbus die finnischen Straßen unsicher macht. Und Vilja wird geraubt.


Natürlich fasst Vilja sogleich den Vorsatz, sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit davonzumachen und zu ihrer Familie zurückzukehren. Aber erstens sind die Räuberbergs, so heißt die Bande mit bürgerlichem Namen, auf der Hut, und zweitens sind sie doch nicht so übel. Eigentlich sind es im Grunde ihres Herzens große Kinder, die sich ihren Lebensunterhalt - der im Wesentlichen aus Süßigkeiten mit eklig klingenden Bezeichnungen besteht - durch Straßenraube verdienen. Und so zieht Vilja mit den Räuberbergs durch Finnland, lernt das Räuberhandwerk und lehrt moderne Raubmethoden.

Die Geschichte entwickelt sich eher gemächlich, und die Raubüberfälle gehen zwar einher mit grimmigen Gesichtern und gewetzten Messern, aber ohne Blutvergießen. Pardon - einmal fließt doch ein Tröpfchen Blut, aber das war kein Überfall. Am ehesten würde wohl der Begriff Roadmovie passen, wenn es sich um einen Film handelte.

Sprachlich bewegt sich das Buch der finnischen Autorin Siri Kolu (Übersetzung. Antje Mortzfeldt) auf gutem Niveau. Erzählt von der kleinen Vilja, wundert man sich mitunter über die recht erwachsene Wortwahl, insbesondere über ihre "Analysen", welche sie in ihrem Notizbuch festhält.

Ein Buch mit viel Räuberromantik, viel Herz und auch ein wenig Spannung. Natürlich fragt man angesichts der Räubergeschichten nach der Moral. Aber mal ehrlich: Ein 10-jähriges Kind ist sehr wohl in der Lage, diese Geschichte in den angemessenen Kontext zu setzen. Ich zumindest habe da keinerlei Bedenken.


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Rezensionsexemplar

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