Freitag, 11. November 2016

Ich wollte nur mal aufs Klo



Kürzlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen eines Eurowings-Fluges auf einem anscheinen neuen Airbus A320. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht der Standard wird im Flugverkehr...

Nachdem mein wegen Verspätung des Fluges unfreiwillig verlängerter Lounge-Aufenthalt durch den Aufruf zum Boarding abrupt beendet wurde, musste ich ich noch eine weitere Viertelstunde am Gate warten. Diese Zeit hätte ich besser in der Lounge verbringen können, um die Notwendigkeiten diesseits und jenseits meines Verdauungstraktes zu regeln. 

Denn diese stellten mich in der Luft vor ungeahnte Probleme. Als die Anschnallzeichen erloschen und ich mich körperlich auf die Aufnahme von Erfrischungsgetränken vorbereiten wollte, wurden die Fluggäste gebeten, die Waschräume noch nicht zu benutzen, da noch der Bordservice vorbereitet würde. Die sofort aufkommenden Assoziationen schob ich beherzt beiseite und wartete, wie es sich hier für den erfolgreich domestizierten Deutschen gezielt, bis diese Vorbereitungen abgeschlossen waren . 

Um dies klarzustellen: Zwar ist die Liebe zur guten Küche nicht ganz spurlos geblieben, jedoch betrachte ich mich nicht als dick. Und der Wohlstand, so man ihn denn wahrnehmen kann, wölbt sich eher nach vorne als zur Seite, wie es ja auch seine Natur ist. Wie auch immer, als ich den Waschraum betrat, sah ich mich genötigt, meine Dimensionen kurz zu überschlagen, um eine geeignete Eintrittsstrategie zu finden. Bordtoiletten sind immer eng - aber diese waren die Krönung. Die notwendige Wende ließ im Vergleich das Wendemanöver des neuen TUI Kreuzfahrers, welches ich kürzlich im Jadebusen miterleben durfte, als Kinderspiel erscheinen. 

Nun ja, ich habe das Manöver ohne fremde Hilfe und ohne größere Schäden am Fluggerät hinbekommen und machte mich wohlgemerkt und durstig auf den Weg zu meinem Platz. Zwar hatte der Bordservice bereits bereits begonnen, aber der proximale Wagen war noch in der drittletzten Reihe, und die letzte Reihe war frei. Also rechnete ich mit einem Überholmanöver an einem leeren Platz . 

Fehlanzeige - als die Flugbegleiterin auf die Idee kam, mich passieren zu lassen, war der Gegenverkehr bereits an meinem Platz vorbei . Also folgte ich ihr brav weiter Reihe für Reihe. Meine Geduld machte sich bezahlt: Irgendwann kam ich tatsächlich an meinem Platz an und durfte mich den Rest des Fluges über einen Sitzplatz freuen. 

Natürlich, darum beschreibe ich das auch so ausführlich, hatte die Sache einen Haken: Die Kollegin aus dem Gegenverkehr befand sich bereits im Rückwärtsgang,. Zwar schaffte ich es, Blickkontakt herzustellen, mein klägliches Flehen quittierte sie aber nur mit einem (zugegebenermaßen freundlichen) Lächeln. Das freut zwar das Herz, nicht jedoch den Bauch. 

Schlussendlich konnte ich dem Ganzen doch noch etwas Positives abgewinnen: Mangels Füllmenge blieb mir ein weiteres Experiment zur Formbarkeit meines Körpers erspart. 


Liebe Eurowings, liebe Nachahmer: Geiz ist geil - aber das geht wohl doch etwas zu weit.

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